SGS INSTITUT FRESENIUS Qualitätssiegel

Functional Food – Chancen und Herausforderungen

Die Lebensmittelbranche ist immer auf der Suche nach Innovationen. Ein bedeutendes Thema ist die Forschung nach Lebensmitteln, die einen gesundheitlichen Zusatznutzen haben – Functional Food.

Die großen Unternehmen wie z.B. Nestlé oder Danone forschen mit erheblichem personellem und finanziellem Aufwand im Bereich Functional Food.

Das SGS INSTITUT FRESENIUS beschäftigt sich seit längerem auch mit diesem Thema und hat jüngst sogar als erstes Prüfinstitut ein Functional Food Produkt mit Actimel von Danone zertifiziert.

Wie aber muss ein Lebensmittel beschaffen sein, damit es als Functional Food bezeichnet werden kann und welche Herausforderungen gibt es bei der Zertifizierung? Diese und weitere Fragen haben wir Dr. Lars Lobbedey, Division Manager Health Food vom SGS INSTITUT FRESENIUS gestellt.
1. Herr Lobbedey, ist ein gutes Olivenöl nicht auch schon Functional Food?
Oder anderes gefragt, wann sprechen wir von einem Zusatznutzen bei Lebensmitteln und somit von Functional Food?

Lebensmittel dienen bekanntlich nicht nur der Nährstoffzufuhr und dem Genuss, sondern leisten zumeist und auf vielfältige Weise einen Beitrag zu unserer Gesundheit. Das macht nachgewiesenermaßen auch ein gutes Olivenöl.
Von Functional Food spricht man, wenn durch besondere Wirkstoffe oder Komponenten, z.B. probiotische Bakterien oder sekundäre Pflanzenstoffe, positiv präventive Aspekte ins Spiel kommen. Vor allem werden heute durch spezielle Verarbeitung oder Anreicherung erzeugte pflanzliche und tierische Lebensmittel darunter verstanden. Hier liegt dann auch das Abgrenzungskriterium zu Nahrungsergänzungsmitteln, die isolierte Wirkstoffe in konzentrierter Form enthalten.
Ziel von Functional Food ist die mittel- und langfristige Erhaltung und Förderung der Gesundheit. Dabei können z.B. das Herz-Kreislauf-System, der Stoffwechsel, das Wachstum, die Entwicklung, das Verdauungssystem sowie psychologische Funktionen und das Verhalten im Fokus stehen.

2. Functional Food ist ein heiß diskutiertes Thema. Viele Kritiker glauben nicht an einen Zusatznutzen. Welche Rolle können Prüfunternehmen bei dieser Diskussion einnehmen?

Der Zusatznutzen von Functional Food sollte keine Frage des Glaubens, sondern des wissenschaftlichen Nachweises sein. Den Beleg liefern in der Regel nach anerkannten internationalen Standards durchgeführte klinische Studien an einer repräsentativen und ausreichend großen Gruppe von Testpersonen. Anzumerken ist, dass bei Lebensmitteln nicht von der hohen Wirksamkeitsrate wie bei Arzneimitteln ausgegangen werden kann – ein Punkt, der häufig falsch interpretiert wird.
Prüfunternehmen können neben der gängigen Qualitätsprüfung spezifisch auf die Substanzen, Komponenten oder Eigenschaften prüfen, die für den Zusatznutzen verantwortlich sind und somit die sog. Ursache-Wirkungs-Beziehung in diesem Punkt bestätigen. Darüber hinaus kann eine unabhängige Prüfung von Studienergebnissen, die den Effekt belegen sollen, geleistet werden.

3. Wie schätzen Sie die Zukunft von Functional Food auf dem Lebensmittelmarkt ein?

Die Erwartung des Verbrauchers an Lebensmittel hat sich fundamental geändert und wird dies auch weiter tun. Das Bedürfnis nach Erhaltung und Förderung der Gesundheit auch durch die Lebensmittelauswahl nimmt zu und spiegelt sich im weiter wachsenden Angebot an Functional Foods auf dem Markt wider.
Insbesondere die Health Claims Verordnung mit ihrer Forderung nach einem wissenschaftlichen Beleg der nährwert- oder gesundheitsbezogenen Aussage, also des „funktionalen“ Zusatznutzens, wird hier zum entscheidenden Filter und Regulativ werden. Wie sich der Functional Food Markt in diesem Spannungsfeld zwischen Innovation und Regulation entwickeln wird, bleibt abzuwarten.

4. Ist Functional Food das große Zertifizierungsfeld der Zukunft?

Die Zertifizierung von Functional Food stellt eine besondere Herausforderung an den Produzenten wie den Zertifizierer dar. Neben der Überprüfung der Produktqualität und der Herstellungsstandards müssen auch das Vorhandensein des Zusatznutzens und dessen werbliche Auslobung bewertet werden. Hierbei müssen hohe Standards angelegt werden, um der Verbrauchererwartung gerecht zu werden. Das breite Spektrum der Functional Foods und der mit ihnen verknüpften Wirkversprechen macht eine intensive Einzelfallprüfung unumgänglich. Das ist natürlich aufwändig für alle Beteiligten. Dennoch ist davon auszugehen, dass auf Grund der hohen Dynamik und des intensiven Wettbewerbs in diesem Markt das Bedürfnis nach Differenzierung durch anerkannte Zertifizierungen weiter steigen wird.

5. Welche Einsatzbereiche für Functional Food gibt es derzeit?

Der Zusatz von Vitaminen und Mineralstoffen, die Anreicherung mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren und die Ausstattung mit probiotischen Mikroorganismen, um nur einige der populärsten Beispiele zu nennen, sind etabliert und vom Verbraucher angenommen. Ein intensiv diskutiertes Entwicklungsfeld ist u.a. das der so genannten sekundären Pflanzenstoffe – einer Vielfalt von Substanzen, die für die gesundheitlich positiven Wirkungen von bestimmten pflanzlichen Lebensmitteln verantwortlich sind. Auch hier ist der wissenschaftliche Nachweis des Nutzens der Dreh- und Angelpunkt für den Produkterfolg.

6. SGS INSTITUT FRESENIUS hat als erstes Prüfunternehmen mit Actimel ein Produkt mit Zusatzwirkung für die Gesundheit zertifiziert. Welche Herausforderungen gab es?

Neben der Produktqualität von Actimel bestätigt SGS INSTITUT FRESENIUS im Rahmen des Qualitätssiegels auch die Wirkweise und die Qualität der Forschung zu Actimel. Bei der Bestätigung der Wirkweise von Actimel galt es, sich von der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) abzugrenzen.

Im Gegensatz zur EFSA, die nur spezifische Aussagen zu gesundheitsbezogenen Aussagen im Rahmen der Health Claims Verordnung bewertet, hat SGS INSTITUT FRESENIUS die Gesamtheit aller Wirkweisen von Actimel zusammenfassend geprüft, basierend auf den Ergebnissen von klinischen Studien. Zusätzlich wird regelmäßig die Anzahl der probiotischen Bakterien in Actimel am Ende des MHD geprüft und in die Bewertung mit einbezogen.
Zudem wurde von Wissenschaftlern des SGS INSTITUT FRESENIUS die Qualität der Forschung zu Actimel geprüft. Dabei wurden 55 Studien zu Actimel einer intensiven und unabhängigen wissenschaftlichen Bewertung unterzogen. Eine Wiederholung der vielen und teilweise mehrjährigen wissenschaftlichen Studien zu Actimel hat SGS INSTITUT FRESENIUS jedoch nicht durchgeführt.

7. Ist der gesundheitliche Nutzen von Probiotika wissenschaftlich nachweisbar?

Der gesundheitliche Nutzen von Probiotika wurde in einer Vielzahl von wissenschaftlichen Studien belegt. Schon im Jahr 1904 hat der russische Forscher und spätere Nobelpreisträger Elie Metchnikoff die These formuliert, dass die hohe Lebenserwartung der Bulgaren auf den beachtlichen Konsum von Joghurt und Kefir zurückzuführen ist. Bis heute gibt es über 7.000 wissenschaftliche Publikationen und eine Vielzahl von Büchern zum Thema Probiotika. Man muss aber beachten, dass Probiotika keine Arzneimittel sind, sondern Lebensmittel. Entsprechend liegt in den Studien die nachgewiesene Wirksamkeit auch nicht bei 100% der getesteten Probanden, sondern nur bei ca. 20%.

8. In welchen Produkten außer in Joghurt sind Probiotika einsetzbar?

Probiotika werden bevorzugt bei Milchprodukten zugesetzt. Joghurt und Joghurterzeugnisse, Milchmisch-Erzeugnisse, Getränke auf Milchbasis, Quarkzubereitungen, Hüttenkäse und Schnittkäse. Vereinzelt sind Probiotika aber auch in Säuglingsnahrung, Fruchtsäften, Müsli oder Salami zu finden. Sogar in Hygieneartikeln für die Frau finden Probiotika ihren Einsatz.

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