SGS INSTITUT FRESENIUS Qualitätssiegel

Christian Rach: Frischediktat versus Lebensmittelverschwendung

Die Zahlen klingen alarmierend. Ein Drittel unserer Nahrung soll im Müll landen. Im Kinofilm „Taste the Waste“ wird sogar von 50 Prozent gesprochen. Das Aussortieren von Nahrungsmitteln beginnt bereits auf dem Acker, wenn beispielsweise Kartoffeln nicht der gewünschten Handelsnorm entsprechen. TV-Restauranttester Christian Rach im Interview zum Thema "Lebensmittelverschwendung vermeiden"...

Im Supermarkt kommen Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums auf den Müll, obwohl sie noch in Ordnung sind. Obst mit Druckstellen wird weggeworfen. Aus dem heimischen Kühlschrank wandern dann weitere Lebensmittel in den Müll, weil beispielsweise zuviel eingekauft wurde. Wie aber sieht es im gastronomischen Bereich aus? Was können Restaurants tun, um weniger Lebensmittel zu verschwenden? Diese und weitere Fragen haben wir dem bekannten TV-Restauranttester Christian Rach gestellt.

1. Herr Rach, Gastronomen müssen den Einsatz von Lebensmitteln planen? Wie viel landet ihrer Erfahrung nach bei einem Restaurant im Müll?

Christian Rach: Natürlich wird in der Gastronomie vieles weggeworfen. Aber wir probieren auch aus, alles aus einem Lebensmittel herauszuholen; sprich aus den Parüren wird eine Sauce gekocht, aus den Karkassen wird ein Fond gezogen, aus den Abschnitten von Gemüse macht man ein Püree und vieles mehr. Die Gesetzgebung zwingt uns aber, diese Dinge, die einmal die Kühlkette verlassen haben, nicht weiter zu verwenden. Insofern gibt es doch „Ausschuss“, der nicht mehr serviert werden darf.

2. Was sind Strategien für Restaurantbetreiber, um Lebensmittelverschwendung zu verhindern?

Christian Rach: Man muss bei der Zusammenstellung der Speisekarte genau darauf achten, wie und mit welchen Produkten gearbeitet wird. Ein Produkt mehrmals einzusetzen, verhindert natürlich Lebensmittelverschwendung. Wir sollten dahin kommen, nicht nur die sogenannten „edlen Teile“ zu verwerten. Wenn wir schon ein Tier essen, sei es Fisch oder Fleisch, sollten wir dies immer im Ganzen verarbeiten und alle Teile schmackhaft zubereiten.

3. Wie sieht es bei Ihnen zu Hause aus? Wie vermeiden Sie es Lebensmittel weg zu werfen?

Christian Rach: Zu Hause hat jeder die komplette Macht und Gewalt über den Kühlschrank und über das Lagern von Lebensmitteln, sprich der Einkaufende ist der Entscheidende. Ich empfehle, nur so viel zu kaufen, wie man verbrauchen kann, dann gibt es in der Regel so wenig Müll wie möglich.

4. Sollte das so genannte Resteessen wieder mehr in Mode kommen und wie lautet ihr Lieblingsrezept dafür?

Christian Rach: Resteessen ist was köstliches, der Knödel vom Vortag aufgeschnitten und noch etwas in der Pfanne gebraten ist wunderbar und der Eintopf schmeckt am zweiten Tag noch besser als am ersten. Wie kommen wir dahin? Indem wir "gut essen und trinken" in der Schule als Fach unterrichten und wieder auf die Traditionen der Eltern und Großeltern hören.

5. Im Zuge der Debatte um Verschwendung geht es auch immer wieder um das Mindesthaltbarkeitsdatum. Wann muss man ein Lebensmittel wegwerfen und wann nicht?

Christian Rach: Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist ein vom Gesetzgeber vorgeschriebenes Datum, das die Industrie oder den Hersteller dazu bringt, eine Garantie auszusprechen. Die Garantie kann ein Hersteller nur aussprechen für den Zeitraum, wo er sich absolut sicher ist, dass sein Lebensmittel nach seinen Ansprüchen top-genießbar ist. Selbstverständlich ist ein Joghurt, Butter oder ein Getränk in der Regel weit nach dem abgelaufen Mindesthaltbarkeitsdatum genießbar. Aufpassen müssen die Verbraucher beim Verfallsdatum, das ist ein großer Unterschied! Hackfleisch oder andere Lebensmittel sind mit einem Verfallsdatum versehen, danach sollte man das Produkt auf keinen Fall mehr verzehren.

6. Sind Lebensmittel zu billig in Deutschland und werden deshalb zu wenig geschätzt?

Christian Rach: Der Franzose gibt über 33% seines verfügbaren Geldes im Monat für Lebensmittel aus, in Deutschland sind es knapp 11%. Wir schätzen das hochwertige Produkt nicht so sehr wie es unsere südwestlichen Nachbarn tun. Das heißt, die Lebensmittel müssen nicht teuer werden, sondern wir müssen den Verbraucher dazu bringen, bessere Lebensmittel einzukaufen.

7. Viele Waren werden in den Supermärkten aussortiert, wenn sie nicht mehr frisch aussehen. Können Restaurants im Gegensatz zu Supermärkten dem Frischediktat entgehen?

Christian Rach: Jeder weiß, dass im Supermarkt nach den hinteren Produkten gegriffen wird, weil man davon ausgeht, das die frischen Dinge nach hinten gestellt werden und die älteren vorne stehen. Auch da greift diese Angst vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum doch sehr in das Verbraucherverhalten ein, also der Gesetzgeber sollte sich über das Mindesthaltbarkeitsdatum konstruktive Gedanken machen. Restaurants, die erfolgreich sind, unterliegen immer dem Frischediktat, weil es ein Qualitätsmerkmal darstellt.

8. Das „Rach getestet“-Siegel, das in Zusammenarbeit mit SGS INSTITUT FRESENIUS vergeben wird, zeichnet auch Tiefkühlkost aus. Ist Einfrieren eine Lösung, um der Lebensmittelverschwendung zu begegnen?

Christian Rach: Bei dem „Rach getestet“-Siegel achten wir natürlich in Zusammenarbeit mit SGS INSTITUT FRESENIUS zuerst einmal auf die Zutaten: Sind diese sauber erzeugt, ist die Verarbeitung einwandfrei. Werden diese Kriterien erfüllt und erfüllt das Produkt das individuelle Gefühl, dass es mir schmeckt, dann bekommt es das „Rach-getestet“-Siegel. Mit Sicherheit ist in der modernen Welt eine fachgerechte Tiefkühlung eine Lösung, um Müll zu vermeiden, da ich die Menge selbst bestimmen kann, die ich hinterher verbrauche. Ich empfehle, kochen Sie frisch!

Aktuelle Meldungen

News und aktuelle Presse-Informationen der SGS-Gruppe Deutschland und von SGS INSTITUT FRESENIUS finden Sie auf www.sgsgroup.de/presse

Publikationen

Studien, Newsletter, Broschüren, White Paper, Präsentationen und andere Publikationen finden Sie im Bereich
» Veröffentlichungen

Presse-Kontakt

Sie sind Redakteur oder Journalist und möchten Kontakt zu SGS INSTITUT FRESENIUS aufnehmen? Wenden Sie sich bitte an unsere » Pressestelle

Nutzen Sie ebenfalls gern unser » Kontaktformular

Um unsere Website für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Um unsere Website für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Zustimmen